SCHLOSS NÖRVENICH

Das Schloss Nörvenich wurde  früher Gymnicher Burg genannt. Um 1400 erbaute der Amtmann Wilhelm von Vlatten den wehrhaften Palas der wasserumwehrten Gymnicher Burg am Ortsrand von Nörvenich. Durch verschiedene An- und Umbauten sowie Turm- und Gebäudeabriss im Bereich der Vorburg am Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt das Bauwerk sein heutiges Aussehen.

Entstehung und frühe Bauphase

Ausgrabungen des Bonner Landesmuseum von 1982 ergaben bisher, dass am heutigen Standort eine kleinere, abgebrochene Burg aus der Mitte des 14. Jahrhunderts gestanden hat. Aus einer Pfostengrube wurde hochmittelalterliche Pingsdrofer Keramik geborgen. Im Pallaskeller wurden zwei Brunnenfüllungen ausgenommen.

Die Besiedlung der Region hatte schon vor tausenden Jahren begonnen. In vorchristlicher Zeit gehörten Kelten und Germanen zu den Stämmen, die das Gebiet durchzogen und bevölkerten, gefolgt von Römern.

Die bei der Grabung 1982 entdeckte rechteckige Burg mit vier runden Erkertürmen war etwa 11 mal 25 Meter groß und hatte einen nördlich vorgelagerten Zwinger. Werner von Vlatten, als Amtmann von Nörvenich zwischen 1366 und 1394 genannt, dürfte sie bewohnt haben. 1403 war sein Sohn Wilhelm nach einer Teilung Besitzer der Burg; ob dies noch das ursprüngliche Bauwerk oder bereits der Neubau war, ist noch nicht geklärt. Wilhelms Bruder Werner erhielt bei der Erbteilung einen Hof, aus dem sich zwei Jahrhunderte später die Harff'sche Burg entwickelte.

Das ältere 11 mal 25 Meter große Burghaus muss um die Wende des 14. zum 15. Jahrhunderts bis auf die Grundmauern abgebrochen worden sein. Auf den Fundamenten wurde dann der um 7 Meter längere Palas mit entsprechend vergrößerter Zwingeranlage erbaut. Das zweigeschossige Herrenhaus, seit dem 18. Jahrhundert dreiflügelig, steht über einem hohen Kellergeschoss, das Ziegelsteinmauerwerk ist teilweise bis zu 1,50 Meter stark. Es hat schwere mit Ziegeln gedeckte Walmdächer  und beschieferte Gauben  und Turmhauben. Im 15. Jahrhundert fiel der Besitz durch Heirat an Konrad Scheiffart von Merode-Bornheim. Wilhelm Scheiffart von Merode und seine Frau Agnes von Bylandt vergrößerten das Haus in der Mitte des 16. Jahrhunderts um den Westflügel. Ein auf Konsolen verkragender Erker, dessen Brüstungen die Wappen Merode und Bylandt und seitlich gotisches Mauerwerk tragen, ist teils noch gotisch und gehört schon dem Renaissanceteil an. Am Ende des 16. Jahrhunderts fiel die Burg durch Heirat an den Freiherrn Johann Otto von Gymnich in dessen Familie sie bis ins 19. Jahrhundert hinein verblieb und die ihr den im Volksmund gebräuchlichen Namen gegeben hat.

Bau des Südflügels

Mit dem Domherren zu Mainz und Archdiakon zu Trier, dem Freiherrn Karl Kaspar Wilhelm von Gymnich, starben die direkten Nachkommen des Johann Otto von Gymnich im Jahre 1739 aus. Er vererbte seinen Nörvenicher Besitz an seinen Vetter Karl Otto Ludwig Theodat von und zu Gymnich, der Vizepräsident des Hofrates bei Kurfürst Clemens August und Erster Staatsminister unter seinem Nachfolger war.

Durch den Mainzer Domherrn erhielt die Anlage den Südflügel, die großzügige, zweiläufige Freitreppe mit einer Terrasse (Ehrenhof) und eine Vorburg, deren Westteil 1902 abgebrochen wurde. Damals wurden die Wassergräben zugeschüttet. Um dem neuen südlichen Wohnflügel das symmetrische Aussehen entsprechend dem Geschmack der Zeit zu geben, erhielt auch er einen Erker, der dem am Westflügel nachempfunden, in seiner stilistischen und handwerklichen Ausführung aber kaum gleichwertig ist. In der Brüstung trägt er das Wappen des Erbauers mit den gekerbten Gymnicher Kreuz, sein Monogramm und die Jahreszahl „1732“. Beide Seitenflügel haben hohe, schlanke, runde Ecktürme mit geschweiften, beschieferten Hauben und Balusterspitzen, wie sie auch die beiden kleinen, nördlich gelegenen Türme der Zwingeranlage und der westliche kleine Turm tragen, der durch einen niedrigen Verbindungsbau an den Westflügel angebaut ist. Dieser kleine westliche Turm dürfte zur abgebrochenen Zwingeranlage gehört haben, welche die Burg vermutlich allseitig schützte. Der dazugehörige vierte Turm muss im 18. Jahrhundert durch die Errichtung des Südflügels überbaut worden sein.

Die Vorburg diente bis zum Abbruch der Westanlage mit Scheunen, Ställen und Nebenräumen landwirtschaftlichen Zwecken. Der erhaltene Südflügel hat heute noch zwei fast quadratische Ecktürme mit geschweiften Hauben, die der abgebrochene Vorburgflügel nicht hatte.

Im 19. Jahrhundert fiel das Anwesen den Grafen Wolff-Metternich in Gymnich zu. Sie nannten den neuen Besitz „Gymnicher Burg“, um ihn von ihrem Stammschloss im nahe gelegenen Ort Gymnich besser zu unterscheiden.

Hauptverbandsplatz

Eine im Hürtgenwald kämpfende Einheit richtete in der Burg (heute Schloss Nörvenich) einen Hauptverbandplatz (HVP) ein. Hier erhielten die an der Front verwundeten Soldaten eine ärztliche Versorgung, nachdem sie an der Front von Kompaniesanitätern Erste Hilfe erhalten hatten. Viele Schwerstverletzte waren nicht transportfähig. Sie wurden im HVP von Sanitätern betreut, unterstützt von Mädchen aus dem Dorf. Die Dächer der Burg waren mit großen Rote-Kreuz-Zeichen versehen, um feindliche Flugzeuge vom Beschießen abzuhalten. Im Burgpark, etwa im Gelände der heutigen Grundschule, wurde ein Friedhof angelegt. Hier wurden die im HVP verstorbenen und die von der Front zurückgebrachten gefallenen deutschen Soldaten beerdigt. Eine erste Bestattungh ist am 11. November 1944 erfolgt, wie die vom HVP erstellte Gräberliste ausweist. Vom 11. November 1944 bis zur Rückverlegung des Verbandplatzes am 25. Februar 1945 wurden hier 221 Tote bestattet, darunter waren acht 19-jährige, sechsundzwanzig 18-jährige und vierzehn 17-jährige Soldaten. Noch am 22. Februar wurde der in der Gräberliste als „Fronthelfer“ eingetragene 16 Jahre und 3 Monate alte Karl-Heinz Schneider auf dem Friedhof im Burgpark beigesetzt.

Solange die Holzvorräte reichten, wurden in den beiden Stellmacherwerkstätten im Dorf Särge und Holzkreuze hergestellt.

Am 25. Februar 1945 musste der Hauptverbandplatz wegen der herannahenden Front zurückverlegt werden. Die Gräber wurden von Dorfbewohnern, später von der Gemeinde, gepflegt. Im September 1950 wurden die Gebeine der Gefallenen vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf den Ehrenfriedhof in Hürtgen umgebettet.

Entwicklung ab 1950

Etwa 1950 ist der größere Teil des Daches der Vorburg mit der Geschossdecke eingestürzt. Im Rahmen der Renovierung und Nutzbarmachung der Gesamtanlage ist eine Erneuerung erfolgt. Im Inneren haben eine Anzahl von Räumen reichgestaltete Stuckdecken im Régencestil nach der Art der Schlösser Brühl und Gymnich. Sie tragen Blütenranken, allegorische Figuren, besonders aber wappentragende, federballspielende Putten. Der eine Mitra balancierende Putto in einem Zimmer des Obergeschosses soll wohl auf den Mainzer Dombauherrn und Trierer Archidiakon hinweisen, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts die großen Baumaßnahmen vornahm. Da sein Erbe aufgrund seiner herausragenden Stellung die besseren Beziehungen zum kurfürstlichen Hof hatte, wird er wohl die Gelegenheit wahrgenommen haben, italienische Stuckateure von Brühl zu seinen Häusern in Nörvenich und Gymnich zu entsenden.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ging die Anlage in nichtadligen Besitz über. Seit dieser Zeit hat es mehrfach den Eigentümer gewechselt In dem Schloss lebte und arbeitete von 1963 bis 1971 der Bildhauer Ulrich Rückriem. Die Rockgruppe Can hatte hier 1968 bis 1971 ihr Tonstudio eingerichtet. Hier entstanden die Langspielplatten Monster Movie (am 25. Juli 1969), Can Soundtracks (aufgenommen November 1969 bis August 1970) und Tago Mago (November 1970 bis Februar 1971).

Umbenennung in Schloss Nörvenich und heutige Nutzung

Seit 1980 gehört das Anwesen in dritter Generation der Kunstverleger-Familie Joe F. Bodenstein (* 24. Februar 1936 in Saaz/Eger), die es seit 1981 Bodenstein Schloss Nörvenich nennt. Die Anregung dazu kam von Oberkreisdirektor Josef Hüttemann (1981–1997),[3] der bei einem Festakt im Rittersaal mit Würdigung der privaten Erhaltungsmaßnahmen anregte, man könne das Baudenkmal nun „Schloss Bodenstein“ nennen. Joe F. Bodenstein gehörte 40 Jahre der Nachrichtenagentur Associated Press an[4] und wirkte u. a. als Parlamentskorrespondent in Bonn und Berlin. Sein beharrliches demokratische Engagement für die transatlantischen Beziehungen führte zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Bundespräsident Roman Herzog.

Das Baudenkmal wurde durch seine Kultur-Aktivitäten international als "Bodenstein Castle" (Schloss Bodenstein) bekannt. Der Senior der Familie war lange Jahre der Kunsthändler von Arno Breker in Paris/New York. Er eröffnete 1985 im Schloss das Museum Europäische Kunst für zeitgenössische Kunstschaffende, wo u. a. auch Werke von Gustav Zindel ausgestellt werden.

Standesamt und Feste

Seit 2005 können während der Sommermonate im "Fürstensaal" des Schlosses standesamtliche Trauungen der Gemeinde Nörvenich vorgenommen werden. Der historische Rittersaal des Schlosses bietet das Ambiente für festliche Hochzeitsgellschaften, Firmenfeste, private Jubiläen, Empfänge und Konzerte für bis zu 160 Personen. Das Baudenkmal mit repräsentativem Schlosshof und dem angrenzenden Schlosspark der Gemeinde Nörvenich ist eine beliebte Filmkulisse.

Das Schloss wurde am 22. März 1985 in die Denkmalliste der Gemeinde Nörvenich unter Nr. 52 eingetragen. 1989 erfolgte die Verleihung der NRW-Denkmalplakette durch Ministerpräsident Johannes Rau in Anerkennung der privaten Aufbauleistungen „zur Bewahrung des kulturellen Erbes in Nordrhein-Westfalen“.

Baudenkmal und Kunst

Das Baudenkmal Schloss Nörvenich war seit dem 19. Jahrhundert wiederholt Gegenstand der bildenden Kunst. Dazu gehören laut Archiv-Bestandsliste Abbildungen von Schloss und Landschaft unter anderen von folgenden Künstlern: Alexander Duncker (Berlin) 1890, Ernst Ohst[, Rudolf Liefke (Düren) 1984, Jean Schmitz (Düren) 1985, Karl Herzog (Stuttgart) 1986, Paul Seimetz 1987, Siegfried Lunau (Düsseldorf) 1990, Birgit Sewekow, 2005.

Im nordwestlichen Gebäudeteil befindet sich die Schlosskapelle mit dem Deckengemälde „Mariä Himmelfahrt“ von Johann Chrysanth Bollenrath aus dem Jahr 1729.

Benefiz-Veranstaltungen

Die kulturelle Nutzung des Baudenkmals ab 1980 eröffnete die Möglichkeit zu überregionalen Benefiz-Veranstaltungen. Dazu gehören: 1991 lud Barbara Genscher als Frau des Bundesaußenministers und Schirmherrin des Deutsche Herzstiftung e.V. mit dem NRW-Kunstkreis zu einem Mozartkonzert auf das Schloss ein, zu dem Gäste aus allen Bundesländern kamen. Jahre vorher war bereits die erste Benefiz-Veranstaltung mit First-Lady Mildred Scheel, von der die Deutsche Krebshilfe gegründet worden war. Als weitere Politiker-Ehefrau kam unter anderen Hannelore Kohl zu Veranstaltungen, der die Gründung der ZNS Hannelore Kohl-Stiftung für hirnverletzte Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Trauma zu verdanken ist. Das Schloss ist auch Tagungsort des internationalen "Alexander-Ordens pour le Merite für Kunst und Wissenschaft" (NY, USA).


BURG BINSFELD

Die Burg Binsfeld ist eine Wasserburg.

Sie ist im Stil der Frührenaissance erbaut und zählt mit den der Nordwand vorgelagerten Loggien zu den bedeutendsten Profanbauten des Rheinlandes.

Sie wurde am 6. März 1985 in die Denkmalliste der Gemeinde Nörvenich unter Nr. 1 eingetragen.[2] Zusätzlich wurde die Burg unter Nr. 6 am 27. März 1990 ist die Liste der Bodendenkmäler in Nörvenich eingetragen.


1397 trug der Ritter Heinrich Mule von Binsfeld eine Burg, die er gebaut hatte, mit dem Gericht dem Herzog von Jülich auf und erhielt sie von diesem als Lehen zurück.

Werner von Binsfeld baute 1533 das Herrenhaus der Burganlagen neu auf. Es entstand teilweise auf den Fündamenten einer älteren Burg und ist von einem Weiher umgeben. Die Burg ist ein rechteckiger Backsteinbau, der ursprünglich, getrennt von der Vorburg, mit Wasser umwehrt war. Auf der Feldseite ist die Burg drei-, auf der Hofseite zweigeschossig. Auf der Südostecke steht ein Rundturm. An der Nordostecke steht der achteckige Treppenturm.

Sem Herrenhaus sind auf der Hofseite in beiden Geschossen Loggien mit je sechs Arkaden vorgelagert. Um 1960 wurden die Loggien umfangreich durch den Landeskonseervator Rheinland saniert.

Im Sturz über der Eingangstür steht das Ehewappen der Erbauer „Binsfeld-Nesselrode“. Auf der Bandverzierung steht Anno 1553.

In den vergangenen Jahrhunderten wurden das Herrenhaus als Wohngebäude und die Wirtschaftsgebäude (Vorburg) landwirtschaftlich genutzt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde ein erheblicher Teil der Wirtschaftsgebäude bei einem Bombenangriff zerstört. Sie wurden 1941/42 wieder aufgebaut. Das Hauptgebäude blieb weitgehend verschont. Im Oktober 1983 wurde auf der Burg der rheinische „Tag der Burg“ veranstaltet.[3]

Bis zum Jahre 1986 wurden die Burggebäude landwirtschaftlich durch die Familie Conzen genutzt.

Nach einem Verkauf im Jahre 1990 wurde die Burg komplett umgebaut und das Herrenhaus mit einem mehrgeschossigen modernen Anbau versehen, der der Gesamtanlage viel von ihrem historischen Reiz genommen hat. Seit dem 1. Dezember 1993 befindet sich in der Burg Binsfeld eine Seniorenresidenz, die bis heute auf etwa 180 Plätze angewachsen ist.

BURG BUBENHEIM

Die Burg Bubenheim liegt bei Rommelsheim. Sie wurde am 22. März 1985 in die Denkmalliste der Gemeinde Nörvenich unter Nr. 68 eingetragen.

Die Niederungsburg liegt in einer Gehölzinsel in der sonst baumlosen Bördelandschaft, etwa einen Kilometer südlich von Rommelsheim. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Verlauf der Krönungsstraße von Frankfurt nach Aachen. Neben der Burg mit ihrem Hofgut befindet sich eine weitere Ansiedlung, das Gut Bubenheim und etwa 500 Meter entfernt der Haltepunkt Bubenheim der Bördebahn.

Geschichte

Über Burg Bubenheim wird im Jahre 1237 in einer Urkunde des Grafen Wilhelm von Jülich von einem Ritter Ingram von Bobbele berichtet. 1377 ist die Burg nach der nächsten bekannten Urkunde im Eigentum des Geschlechts von Spies, bei dem sie bis zum Ende des 17. Jh. bleibt. 1699 bringt die dritte Frau des Freiherrn Johann Franz von Berghe genannt Trips 7 diesem den Besitz zu. Aber schon ihr Sohn, der General Adolf Karl Sigismund von Berghe genannt Trips, verkauft sein mütterliches Erbteil Bubenheim 1757 an einen Jülicher Bürger, den Rotgerber Zantis. Nach mehrfachem Wechsel im 19. Jh. gelangt der Rittersitz 1878 durch Kauf an die Freiherren von Nellessen in Aachen. Heute steht die Burg mit dem dazugehörenden Ackerland im Eigentum der Familie Schmitz-Peiffer. Die Burg liegt etwa 3 km südlich von Binsfeld in einer Gehölzinsel in der sonst fast baumlosen Bördenlandschaft. Die Anlage besteht aus der Hauptburg und der westlich vorgelagerten Vorburg, die nach zahlreichen Umbauten kaum noch als solche erkennbar ist. An der West- und Nordseite des ehemaligen Rittersitzes sind Reste des heute noch ca. 10 m breiten und bis zu 2,6 m hohen Walles erhalten, der unmittelbar vor den Wassergräben lag. Dieser Wall hat wohl in älterer Zeit die ganze Burg mit der Vorburg umschlossen, wie sie auch sicherlich ganz mit einem Wassergrabensystem umgeben war. Kleine Teilstücke der Wassergräben haben sich südlich und westlich der Hauptburg erhalten. Das heutige Herrenhaus ist um die Wende vom 15. zum 16. Jh. entstanden. Es ist ein schlichter, zweigeschossiger Ziegelsteinbau, der im unteren Geschoss schwere Sandsteinquader mit eingebauten Schießscharten hat. Die kreuzsprossigen Fenster haben Hausteinfassungen; sie sind zum Teil, besonders an dem westlichen Giebel, modernisiert und teilweise vermauert worden. Das Haupthaus hat ein hohes, steiles Satteldach mit Ziegeldeckung. An der Nordwestecke springt ein fast quadratischer Turm weit in den heute zugeschütteten Wassergraben vor. Der Turm ist dreigeschossig und hat eine achtseitige spitze Schieferhaube mit Wetterfahne. Ihm gegenüber steht an der Südostecke ein schlanker, ebenfalls dreigeschossiger, sechseckiger Treppenturm mit flacher sechsseitiger Schieferbedachung. Wie in Binsfeld hat auch dieser Ziegelsteintreppenturm Hausteinquerbänder aus einem hellen Material. Der schwere quadratische Turm hat in den beiden Untergeschossen Kreuzsprossenfenster, die im ersten Geschoss an der Außenwand vermauert sind. Im oberen Stockwerk sind einfache, kleine Rechteckfenster. Der Treppenturm hat schlichte Quersprossenfenster in Hausteinfassung. Ende des 19. Jh. wurde ein östlich des Treppenturmes gelegener Trakt des Herrenhauses niedergelegt und durch einen kleinen Anbau ersetzt. Der Rundbogen des Portals, hinter einer rechteckigen Blende für die Zugbrücke, ruht auf profilierten Kämpferplatten. Darüber ist das in Stein gehauene Ehewappen des Heinrich Spies von Büllesheim und der Margaretha Sophia von und zu Reuschenberg mit der nicht mehr lesbaren Jahreszahl 1625 eingelassen. Südlich des zum Herrenhaus führenden Portals steht ein niedriger zweigeschossiger Anbau aus verputztem Ziegelstein mit einfachem Satteldach, wohl vom Ende des vergangenen Jahrhunderts. In dem bei der Kirchenvisitation von 1550 angefertigten Protokoll ist vermerkt, dass die Kirchen von Kelz " ...hat under sich eine capell... zu Bobbeln binnen dem hausgraben". Für diese Kapelle war ein Vikar angestellt, dem der "Halfmann" attestiert, er sei "hinsichtlich Lehre und Wandel gut, habe aber die Küchenmagd zu Bobbeln geschwängert". Die dem hl. Nikolaus geweihte Kapelle innerhalb des Burggrabens , worunter wohl das umwehrte Burggelände zu verstehen ist, musste 1883 wegen Einsturzgefahr abgebrochen werden. Ihr Standort ist nicht mehr bekannt, auch über den Verbleib des Kapelleninventars ist nichts in Erfahrung zu bringen.

Heutige Nutzung

Im vergangenen Jahrhundert wurde die Burg als landwirtschaftliches Anwesen genutzt. Heute ist die Landwirtschaft nur noch Nebenerwerb.

Die junge Generation entdeckte eine Marktlücke. Im größtenteils renovierten Hauptgebäude können in mittelalterlicher Ritterumgebung Trauungen, Hochzeiten, Betriebsfeste etc. gefeiert werden. Für die Kinder aus nah und fern steht ein Spieleland zur Verfügung, das heißt, es können für Veranstaltungen verschiedene Räume angemietet werden. Weit über das Rheinland hinaus bekannt ist das Bubenheimer Spieleland mit Spielgeräten, einer 3.000 m² großen Indoor-Spielehalle und einem Maislabyrinth.

Im August 2016 wurde in der Burg ein Schulungscenter der Kreisjägerschaft Düren eingerichtet.

Anlage

Die Burganlage besteht aus der Hauptburg und der westlich vorgelagerten Vorburg, die nach vielen Umbauten kaum noch als solche zu erkennen ist. An der Westseite und der Nordseite des ehemaligen Rittersitzes sind Reste des heute noch etwa zehn Meter breiten und bis zu 2,6 Meter hohen Walles erhalten, der unmittelbar vor den Wassergräben lag.

Die frühere Burgkapelle, die dem heiligen Nikolaus geweiht war, musste 1883 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden und wurde nicht wieder aufgebaut.


Alte Burg Noervenich

Die Alte Burg, auch Versunkene Burg genannt, ist die Ruine einer Höhenburg vom Typus einer Turmhügelburg (Motte) im Wald bei Nörvenich. Ihre Reste liegen etwa 500 Meter nördlich von Nörvenich am Steilhang des Neffelbaches, einer tektonischen Setzung.

Bei der Burganlage handelt es sich um eine sogenannte Großmotte. Die Hauptburg war in Stein ausgebaut und muss noch im 13. Jahrhundert bewohnt gewesen sein. Als Burgherr wird Hermann IV. von Saffenberg erwähnt.

Die Burg war etwa 60 mal 35 Meter groß. Ein etwa 25 bis 30 Meter breiter und zehn Meter tiefer Graben trennte die hufeisenförmig vorgelagerte Vorburg von der Hauptburg. Die Vorburg mit ihren sechs bis acht Meter breiten Wällen und Gräben lag fünf Meter tiefer als die Hauptburg. In der längsten Ausdehnung maß die Vorburg etwa 100 Meter, vor dem Hauptburggraben in der Breite rund 90 Meter, in der Mitte rund 70 Meter.

Heute sind nur noch einige Mauerreste vorhanden. Die Anlage wurde am 3. Januar 1986 in die Liste der Bodendenkmäler in Nörvenich unter Nr. 4 eingetragen.


Harff’sche Burg

Die Harff’sche Burg ist die Ruine einer Niederungsburg auf dem Privatgelände des Trompeterhofes zwischen dem Neffelbach und dem Friedhof in Nörvenich.

Geschichte

Werner von Vlatten-Merode erhielt um 1400 durch Erbteilung einen Hof in Nörvenich. An dieser Stelle wurde eineinhalb Jahrhunderte später eine Burg errichtet, die Harff’sche Burg. Sie wurde 1565 durch Johann von Harff zu Geilemkirchen erbaut.

100 Jahre später fiel der Besitz an Philipp Wilhelm Freiherr von Harff-Dreyborn.

Im 19. Jahrhundert erwarb Maximilian Graf Wolff Metternich die Niederungsburgmit den dazugehörenden Hofanlagen. Durch Heirat gelangte sie dann in den Besitz der Vicomtes de Maistre zu Gymnich.

Die Burg ist seit 1880 unbewohnt. Seitdem stürzte die Ruine immer weiter ein.

1904 stürzten große Teile des Daches ein, 1909 die Staffelgiebel, 1933 waren alle Dach- und Giebelteile verschwunden. 1935 wurde eine Renovierung des Erkers vorgenommen und 1938 versuchte man, Sicherungsmaßnahmen am Maierwerk und am Treppenturm vorzunehmen, die jedoch wegen des Baus des Westwalls nie zum Abschluss gebracht wurden. Im Dezember 2017 stellte das Landesdenkmalamt NRW 12.000 Euro für erste Sicherungsmaßnahmen der Ruine zur Verfügung 

Anfang der 1930er Jahre gelangte der Besitz in Privathand.

Die Burg wurde am 19. März 1985 in die Denkmalliste der Gemeinde Nörvenich unter Nr. 42 eingetragen.

Im Jahr 2018 bewilligte die Bundesregierung 850.000 Euro zur Renovierung bzw. für den Erhalt der Ruine.[2]

Anlage

Die zweigeschossige, rechteckige Burg war ein etwa 22 mal 11 m großer Ziegelsteinbau mit einem Satteldach. An der Ostecke befand sich ein mächtiger Rundturm, dem ein schlanker Treppenturm an der Südseite gegenüberstand.